EFSA bestätigt Sicherheit von gentechnisch veränderter Sojabohne MON 94313

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat am 4. Februar 2026 ihre Sicherheitsbewertung der gentechnisch veränderten Sojabohne MON 94313 abgeschlossen und kommt zu dem Schluss, dass diese ebenso sicher ist wie konventionelle Sojabohnen.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat am 4. Februar 2026 ihre umfassende Sicherheitsbewertung der gentechnisch veränderten Sojabohne MON 94313 abgeschlossen. Das EFSA-Gremium für gentechnisch veränderte Organismen kam nach einer vollständigen Risikobewertung zu dem Schluss, dass MON 94313 hinsichtlich der menschlichen und tierischen Gesundheit sowie der Umwelt ebenso sicher ist wie konventionelle Sojabohnen und nicht-gentechnisch veränderte Referenzsorten.

Eigenschaften der GM-Sojabohne MON 94313

Die Sojabohne MON 94313 wurde gentechnisch so verändert, dass sie Toleranz gegenüber vier verschiedenen Herbizidgruppen aufweist:

Herbizid-Toleranzen: 1. **Dicamba**: Breitbandherbizid zur Unkrautbekämpfung 2. **Glufosinate**: Nicht-selektives Herbizid 3. **2,4-D**: Wuchsstoffherbizid 4. **Mesotrion**: Herbizid aus der Gruppe der Triketone

Diese Mehrfach-Toleranz ermöglicht Landwirten flexiblere Unkrautmanagement-Strategien und kann helfen, Herbizidresistenzen bei Unkräutern zu bekämpfen.

Umfassende Sicherheitsbewertung

Die EFSA führte eine gründliche Analyse verschiedener Sicherheitsaspekte durch:

1. Molekulare Charakterisierung - **Genetische Veränderungen**: Präzise Identifikation der eingefügten Gene - **Stabilität**: Nachweis der stabilen Vererbung über Generationen - **Unbeabsichtigte Effekte**: Ausschluss ungewollter genetischer Veränderungen

2. Zusammensetzung und Nährwert - **Nährstoffprofil**: Vergleich mit konventionellen Sojabohnen - **Antinutritive Faktoren**: Bewertung von Trypsininhibitoren und anderen Komponenten - **Allergenität**: Keine neuen allergenen Proteine identifiziert

3. Toxikologische Bewertung Die EFSA fand keine Hinweise auf: - **Toxizität** der exprimierten Proteine - **Allergenes Potenzial** der neuen Proteine - **Gesundheitsrisiken** für Mensch oder Tier

4. Umweltrisikobewertung - **Keine Umweltsicherheitsbedenken** in der EU identifiziert - **Auskreuzungsrisiko**: Als gering eingestuft - **Auswirkungen auf Nicht-Zielorganismen**: Keine negativen Effekte erwartet

Bedeutung für die Lebensmittel- und Futtermittelindustrie

Verwendungszwecke: Die Zulassung von MON 94313 würde folgende Anwendungen ermöglichen:

#### Lebensmittel: - Sojaöl: Für Speiseöle und Margarine - Sojaprotein: Für Fleischersatzprodukte und Proteinpulver - Sojalecithin: Als Emulgator in verschiedenen Produkten - Sojamehl: Für Backwaren und Nahrungsergänzungsmittel

#### Futtermittel: - Sojaschrot: Proteinquelle für Nutztiere - Ganze Sojabohnen: Für Tierfutter - Sojaöl: Energiequelle in Futtermischungen

Relevanz für Nahrungsergänzungsmittel: Soja ist ein wichtiger Bestandteil vieler Nahrungsergänzungsmittel: - **Proteinpulver**: Vegane Proteinquelle - **Isoflavone**: Für Wechseljahresbeschwerden - **Lecithin**: Für kognitive Gesundheit - **Omega-3-Fettsäuren**: Aus Sojaöl

Regulatorischer Prozess

Nächste Schritte: 1. **EU-Kommission**: Prüfung der EFSA-Stellungnahme 2. **Mitgliedstaaten**: Abstimmung im Ständigen Ausschuss 3. **Zulassungsentscheidung**: Finale Genehmigung durch die Kommission 4. **Kennzeichnung**: Verpflichtende Kennzeichnung als "gentechnisch verändert"

Zeitrahmen: - **Typische Dauer**: 3-6 Monate nach EFSA-Gutachten - **Gültigkeit**: Zulassung für 10 Jahre - **Erneuerung**: Möglichkeit der Verlängerung nach erneuter Bewertung

Kontroverse um Gentechnik in Europa

Die Zulassung gentechnisch veränderter Organismen bleibt in Europa umstritten:

Befürworter argumentieren: - **Wissenschaftliche Evidenz**: EFSA-Bewertungen basieren auf umfassenden Daten - **Wirtschaftliche Vorteile**: Effizienzsteigerung in der Landwirtschaft - **Nachhaltigkeit**: Reduzierter Herbizideinsatz möglich - **Versorgungssicherheit**: Diversifizierung der Rohstoffquellen

Kritiker befürchten: - **Langzeiteffekte**: Unbekannte Auswirkungen über Generationen - **Umweltrisiken**: Auskreuzung und Biodiversitätsverlust - **Abhängigkeit**: Von Saatgutkonzernen und Herbiziden - **Verbraucherablehnung**: Geringe Akzeptanz in der Bevölkerung

Internationale Perspektive

Globale Zulassungssituation: - **USA**: Bereits zugelassen und im Anbau - **Brasilien**: Wichtiger Anbaumarkt für GM-Soja - **Argentinien**: Großflächiger Anbau - **China**: Zulassung für Import als Futtermittel

Handelsaspekte: - **Import in die EU**: Auch ohne Anbaugenehmigung möglich - **Kennzeichnungspflicht**: Gilt für alle GM-Produkte - **Schwellenwerte**: 0,9% für zufällige oder technisch unvermeidbare Beimischungen - **Rückverfolgbarkeit**: Dokumentationspflicht entlang der Lieferkette

Auswirkungen auf die Supplement-Industrie

Rohstoffbeschaffung: Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln müssen entscheiden:

#### Option 1: GM-Soja verwenden Vorteile: - Potenziell niedrigere Kosten - Bessere Verfügbarkeit - Gleichwertige Qualität

Nachteile: - Kennzeichnungspflicht - Mögliche Verbraucherablehnung - Marketingherausforderungen

#### Option 2: Nicht-GM-Soja bevorzugen Vorteile: - Höhere Verbraucherakzeptanz - Premium-Positionierung möglich - Keine GM-Kennzeichnung erforderlich

Nachteile: - Höhere Rohstoffkosten - Begrenzte Verfügbarkeit - Aufwendigere Rückverfolgbarkeit

Kennzeichnungsanforderungen: Bei Verwendung von GM-Soja müssen Hersteller: - **Klare Kennzeichnung**: "Enthält gentechnisch veränderte Sojabohnen" - **Rückverfolgbarkeit**: Dokumentation der gesamten Lieferkette - **Analytik**: Möglichkeit zum Nachweis von GM-Material - **Transparenz**: Information für Verbraucher

Wissenschaftliche Einordnung

EFSA-Bewertungsstandards: Die EFSA wendet strenge Kriterien an: - **Umfassende Datenpakete**: Molekulare, toxikologische und Umweltdaten - **Peer-Review**: Wissenschaftliche Begutachtung durch Experten - **Transparenz**: Veröffentlichung von Gutachten und Daten - **Vorsorgeprinzip**: Berücksichtigung von Unsicherheiten

Vergleich mit anderen Regionen: - **EU**: Strengste Anforderungen weltweit - **USA**: Fokus auf Substanzäquivalenz - **Kanada**: Ähnlich wie USA, aber mit zusätzlichen Umweltprüfungen

Ausblick

Zukünftige Entwicklungen: - **Neue GM-Technologien**: CRISPR und Gene Editing - **Regulatorische Anpassungen**: Mögliche Lockerungen für präzise Züchtungsmethoden - **Verbraucherakzeptanz**: Langsame Veränderung der Wahrnehmung - **Nachhaltigkeitsdebatte**: GM als Teil der Lösung?

Für die Supplement-Industrie: - **Strategische Entscheidungen**: GM oder nicht-GM? - **Transparenz**: Offene Kommunikation mit Verbrauchern - **Qualitätssicherung**: Robuste Testverfahren - **Marktbeobachtung**: Anpassung an Verbraucherpräferenzen

Fazit

Die positive EFSA-Bewertung von MON 94313 bestätigt, dass gentechnisch veränderte Sojabohnen nach wissenschaftlichen Kriterien als sicher gelten können. Für die Nahrungsergänzungsmittel-Industrie bedeutet dies:

1. Rohstoffoptionen: Erweiterte Beschaffungsmöglichkeiten 2. Regulatorische Klarheit: Klare Anforderungen für Verwendung und Kennzeichnung 3. Verbraucherinformation: Notwendigkeit transparenter Kommunikation 4. Strategische Positionierung: Bewusste Entscheidung für oder gegen GM-Rohstoffe

Unabhängig von der individuellen Haltung zu Gentechnik sollten Hersteller die wissenschaftlichen Fakten kennen und ihre Entscheidungen auf Basis fundierter Informationen und Verbraucherpräferenzen treffen.

*Hinweis: Diese Zusammenfassung dient Informationszwecken. Die dargestellten Studienergebnisse sind keine zugelassenen Health Claims. Für detaillierte Informationen konsultieren Sie bitte die Originalquelle.